Purgatorio – Canto 3

6 Indes er so geneigten Angesichts den Weg im Geiste suchend überdachte 57 und ich hinauf am Felsblock Umschau hielt, erschien mir linkerhand ein Schwarm von Seelen, die uns entgegenkamen, doch so langsam, 60 daß man ihr Schreiten kaum bemerken konnte. »Erheb die Augen«, sagte ich zum Meister, »da kommt ja, wer uns Auskunft geben wird, 63 wenn bei dir selbst du keinen Rat mehr findest.« Er schaute hin, und mit befreitem Ausdruck sprach er: »So laß uns gehn, sie kommen langsam; 66 du aber, lieber Sohn, bleib fest im Hoffen.« Wir hatten gut eintausend Schritte schon getan, und jene Schar war noch so weit 69 von uns, als wie ein tüchtiger Steinwurf reicht. Da drängten sie sich alle an die Felsen der hohen Wand und standen still beisammen 72 wie jemand, der nicht traut und schauen will. »Ihr gut verstorbnen, auserwählten Geister«, begann Vergil, »bei jenem Frieden bitt' ich, 75 auf den ihr alle wartet, wie mich deucht, sagt uns, wo senkt der Berg sich sanfter nieder, so daß es möglich wird, hinaufzusteigen? 78 Es haßt den Zeitverlust, wer Weisheit liebt.« Wie Schäflein ihren Stall verlassen, einzeln, zu zwei, zu drei, die andern zögern noch, 81 schüchtern zu Boden Nas und Augen senkend,

RkJQdWJsaXNoZXIy MTIyMjQzNA==