Purgatorio – Canto 8

6 Was war das zwischen uns ein herzlich Grüßen! Dann frug er mich: »Wann bist du an dem Fuß 57 des Bergs gelandet nach der weiten Fahrt?« »Oh!« sprach ich, »aus dem dunkeln Reiche stieg ich heut früh und hab das erste Leben noch; 60 das zweite zu gewinnen, wandre ich so.« Und kaum war meine Antwort laut geworden, trat er zurück und ebenso Sordello, 63 wie plötzlich fassungslos gewordne Menschen. Der eine wandt' sich an Vergil, der andre an einen, der dort saß und rief: »Auf, Konrad, 66 komm her und schau, was Gott gewollt aus Gnade!« Sodann zu mir: »Bei dem besondern Dank, den du dem Wesen schuldest, dessen Urgrund 69 wir nicht erreichen können, bitt ich dich: wenn du zurück bist übers große Wasser, erinnere Johanna, daß sie flehend 72 beim Hort der Unschuld sich für mich verwende; denn ihre Mutter liebt mich, glaub ich, nicht mehr, seit sie den Witwenschleier abgelegt, 75 den einst die Arme sich noch wünschen wird. An ihr kann man so recht verstehen lernen, wie lang bei Weibern Liebesflammen dauern, 78 wenn Aug und Hand sie kosend nicht erneuern. Auf ihrem Leichensteine wird die Schlange des Wappenschilds derer von Mailand nie 81 so ehrbar wirken wie Galluras Hahn.«

RkJQdWJsaXNoZXIy MTIyMjQzNA==