Purgatorio – Canto 6

8 indes die Lebenden von deinen Söhnen des Kriegs nicht müde werden und sich hinter 84 den Mauern ihrer Vaterstadt verletzen. An deiner Meere Ufer rings umher, im Innern deines Landes such und schau, 87 ob irgendwo bei dir noch Friede blüht. Wozu hat Justinian des Rechtes Zügel dem Pferde angelegt? Es fehlt der Reiter. 90 Fehlte der Zügel, wär die Schmach geringer. Weh, ungehorsam gottlos Priestervolk, daß du den Kaiser nicht im Sattel leidest 93 und, was dir Gott befiehlt, nicht hören magst! Schau doch, wie störrisch schon das Roß geworden, da es die guten Sporen nicht mehr spürte, 96 seit du ihm in die Zügel hast gegriffen. Albrecht von Deutschland, wehe! preisgegeben hast du das wilde, ungezähmte Tier, 99 anstatt in seinen Sattel dich zu schwingen. So falle denn das Urteil des Gerechten hoch von den Sternen über dich: plötzlich 102 und klar, daß es dein Erbe schaudernd sehe! Denn du und auch dein Vater, beide habt ihr von Habsucht euch dort drüben halten lassen, 105 und hier verödete des Reiches Garten. Schau, träger Fürst, wie die Montecchi stehn zu Cappelletti, die Monaldi zu 108 den Filippeschi, übel gar und hämisch.

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