4 frug ich: »Mir scheint, lichtvoller Meister, daß du irgendwo in deinem Texte leugnest, 30 daß Himmelsratschluß lenkbar durch Gebet sei. Und eben darum flehen diese Leute. So wäre also ihre Hoffnung eitel, 33 oder hab ich dein Wort nicht recht gefaßt?« Und er: »Was ich geschrieben hab, ist klar, und dieser Seelen Hoffnung ist kein Wahn, 36 nur muß man's mit Vernunft genau betrachten. Denn höchster Spruch wird nicht erniedrigt dadurch, daß heiße Lieb in einem Schwung vollbringt, 39 was sich erdienen muß, wer hier verweilt. Auch galt mein Satz, den du erwähnst, nur dort, wo keine Schuld durch Bitten tilgbar war, 42 weil bis zu Gott die Bitten noch nicht drangen. Versenk dich nicht in diesen tiefen Zweifel und warte, daß dir jene ihn erleuchte, 45 die deinem Geist die Wahrheit bringen wird. Versteh mich wohl, ich meine Beatricen, du wirst sie sehn auf dieses Berges Gipfel 48 und lächeln wird sie dir in Seligkeit.« Und ich: »O Meister, laß uns rascher gehn, schon werd ich nicht so müde mehr wie vorhin, 51 und sieh des Berges langen Schatten dort!« »Wir wollen mit dem heutigen Tage gehn«, versetzte er, »soweit wir es vermögen, 54 doch steht die Reise anders als du meinst.
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