Purgatorio – Canto 5

2 Ich hatte jene Seelen schon verlassen und folgte meinem Führer auf der Spur, 3 als hinter mir mit aufgehobnem Finger die eine rief: »Schaut euch den zweiten Mann an! Die linke Seite ist ihm unbeleuchtet, 6 und er gebärdet sich wie ein Lebendiger.« Beim Klange dieses Wortes schaut ich mich um und sah, wie sie verwundert nur auf mich, 9 auf mich und meine Schattenseite starrten. »Was lässest du dir das Gemüt verstricken und deine Schritte hemmen?« rief mein Meister, 12 »was kümmert's dich, wenn dort gemunkelt wird? Mir eile nach und laß die Leute schwatzen, und sei ein Turm, des Gipfel unbewegt 15 und steinern ruht, so sehr die Winde blasen; denn rückwärts weicht von seinem Ziel der Mensch, sobald Gedanken übereinanderwuchern 18 in ihm, und ihre eigne Kraft verzehrt sich.« Was konnt ich darauf sagen als: »Ich komme.« Als ich es sagte, überflog mich leicht 21 die Farbe, die zuweilen uns entschuldigt. Inzwischen kamen Leute, nicht weit vor uns am Hang daher quer über unsern Weg, 24 die sangen Vers für Vers das Miserere. Als sie bemerkten, daß mein Körperliches dem Strahl der Sonne keinen Durchgang ließ, 27 zerbrach ein langes dumpfes Oh! ihr Lied.

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