10 »Mein lieber Meister«, sagt' ich, »schau dir den an, ob er in seiner schlaffen Haltung nicht 111 noch fauler als der Faulheit Bruder aussieht.« Da wurd er aufmerksam und schaut uns an mit einem Blick, der kaum am Schenkel auftaucht, 114 und sprach: »Steig doch hinauf, du hast ja Kraft!« Sofort erkannt ich ihn; obgleich mein Atem noch von der Anstrengung beschleunigt war, 117 ging ich zu ihm, und als ich bei ihm stand, erhob er kaum das müde Haupt und sagte: »Hast du jetzt recht gesehen und begriffen, 120 wie hier von links der Sonnenwagen kommt?« Bei seinen trägen Gesten, kurzen Worten trat mir ein leises Lächeln auf die Lippen: 123 »Belacqua«, sagt ich ihm, »jetzt ist mir nicht mehr bang um dich; doch sage mir, warum hast du dich hier gesetzt, erwartest du 126 Begleitung, oder frönst deiner Gewohnheit?« Und er: »Was soll ich mich bemühen, Bruder? Am Tore droben sitzt der Engel Gottes, 129 der ließe doch mich nicht zur Buße ein. Hier außen muß der Himmel mich so lange umkreisen wie mein Leben währte, weil ich 132 die Reu verschoben habe bis zum Letzten – es sei denn, daß zuvor Gebet mir helfe, aus einem gottgefälligen Herzen kommend. 135 Was nicht zum Himmel dringt, hat keinen Zweck.«
RkJQdWJsaXNoZXIy MTIyMjQzNA==