Purgatorio – Canto 31

2 »Du, an des heilgen Flusses Ufer drüben«, so nahm sie gleich die Rede wieder auf, 3 geradezu auf mich die Spitze richtend, und war doch scharf genug die Schneide schon, »sag selbst, ist's wahr? die schwere Klage fordert, 6 daß sich dein Eingeständnis daran schließe.« So groß war die Verwirrung meiner Kräfte, daß zwar die Stimme sich erhob, doch ehe 9 sie noch geformt hervortrat, mir erstarb. Bald ungeduldig: »Was besinnst du dich?« sprach sie: »Gib Antwort, noch ist ja in dir 12 die leidige Erinnerung nicht verwaschen.« Aus Furcht und aus Verwirrung rang sich mir ein »Ja« so kleinlaut von den Lippen, daß 15 man schauen mußte, um es zu verstehen. Wenn von zu großer Spannung an der Armbrust beim Schuß die Sehne und der Bogen springen, 18 dann fährt der Bolzen weniger scharf ins Ziel: so knickte mich der allzu harte Druck, und Tränen sprudelt ich und Seufzer vor, 21 und die erschlaffte Stimme stockt am Ausgang. Und sie: »In dem von mir beschwingten Streben, das liebend dich zum guten Ziele trieb – 24 und höhern Wunsch als dieses gibt es nicht – was hast du da für Gräben, Ketten, Sperren begegnet, daß du so der Hoffnung dich 27 entschlagen mußtest, weiter vorzudringen?

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