Purgatorio – Canto 27

8 Und wie der Hüter draußen auf dem Feld die Nacht bei seinen stillen Tieren bleibt 84 und wacht, damit der Wolf sie nicht verscheuche, so lagerten wir alle drei beisammen: ich wie die Herde, jene wie die Hirten, 87 und rechts und links umgaben uns die Felsen. Nicht viel drang von der Außenwelt zum Auge, doch dieses wenige ließ mich die Sterne 90 noch heller und noch größer sehn als sonst. Und wie ich sinnend so nach ihnen schaue, berührte mich der Schlaf, der Schlaf, der oft 93 noch eh es da ist, das Ereignis kündet. Zur Stunde etwa, da der Venusstern, der immerglühende, mit Liebesfeuer 96 vom Morgen her zuerst den Berg bestrahlt, erschaute ich im Traume, schön und jung und blumenpflückend eine Frau, die Heide 99 durchstreifend, und sie sang dazu die Worte: »Mag jeder, der nach meinem Namen fragt, erfahren, daß ich Lea bin. Ich flechte, 102 die weißen Hände rührend, meinen Kranz und schmücke mich, um schön zu sein, im Spiegel. Doch Rahel, meine Schwester, wird nicht müde 105 vor ihrem Spiegel tagelang zu sitzen. An ihren schönen Augen freut sie sich wie ich an meiner Hände Werk zum Schmuck. 108 Ihr ist die Schau genug, mir ist's die Tat.«

RkJQdWJsaXNoZXIy MTIyMjQzNA==