10 Ein erstes Schimmern ging dem Tag vorauf, um so willkommener dem Pilgersmann, 111 je heimatnäher seine letzte Rast. Im ganzen Umkreis floh die Finsternis, es floh mit ihr mein Schlaf, und ich stand auf, 114 da ich die Meister schon erhoben sah. »Die süße Frucht, durch tausend Zweige hin so eifrig von den Sterblichen gesucht, 117 wird heute noch dir deinen Hunger stillen.« Daß solch ein Wort Vergilius zu mir gebrauchte, war ein Festgeschenk, wie niemals 120 ein anderes mich hätte freuen können. Ein neuer Wille, Well auf Welle kam mir, Wille nach oben, und bei jedem Schritt 123 fühlt ich zum Schwunge mir die Flügel wachsen. Als unter uns die Treppenstufen alle im Lauf entwichen und wir oben auf 126 der letzten standen, blickt Vergil mich an und sprach: »Das zeitliche, das ewige Feuer hast du erkannt, mein Sohn, hier stehst du jetzt 129 und hier ist meine Wissenschaft am Ende. Bedacht und eifrig bracht ich dich herauf, nun überlaß du dich dem Trieb des Herzens. 132 Die steilen Pfade liegen hinter dir. Sieh dort! Die Sonne leuchtet dir ins Antlitz, und Wiesen dort und Blumen und Gehölz, 135 was alles eine reiche Erde schenkt.
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