Purgatorio – Canto 2

10 so bitt ich, gib von diesem Trost ein wenig für meine Seele, die mit ihrem Leib 111 auf dieser Wanderung so müde wird.« »Die Minne, die in meinem Geiste spricht«, so lieblich stimmte er mein Lied nun an, 114 daß es mir lockend nachhallt im Gemüt. Die Seelen um ihn her, mein Meister auch und ich, wir waren alle so beglückt, 117 als hätten wir nichts anderes im Sinn. Wir lauschten seinen Klängen, hingenommen und still – und sieh, da kommt der wackre Greis 120 und ruft: »Was soll das nun, ihr Säumigen, und diese Lässigkeit, hier stehnzubleiben? Zum Aufstieg, flugs, daß ihr die Schuppen abstreift, 123 die euch den offenbaren Gott verdecken. « Wie, wenn sie Körner picken oder Lolch, die Tauben auf dem Futterplatz beisammen 126 sich stille halten, nicht wie sonst stolzieren, und, werden sie erschreckt durch irgend etwas, im Nu die schöne Atzung liegen lassen, 129 weil etwas Dringlicheres sie bestürmt: so schnell sah ich die frischgekommene Schar hinweg von dem Gesang zum Berge flüchten, 132 nur fort, und wußten noch nicht recht, wohin. Nicht weniger geschwind war unser Aufbruch.

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