Purgatorio – Canto 15

8 »Dein Wort beruhigt mich«, wollte ich ihm sagen, da sah ich schon mich auf dem dritten Sims, 84 und neue Lust zu schauen ließ mich schweigen. Ich kam mir plötzlich wie ergriffen vor, verzückt in ein Gesicht, und mir erschien 87 in einem Tempel vieles Volk versammelt, und eine Frau trat eben ein, in sanfter und mütterlicher Art: »Mein Sohn«, sprach sie, 90 »Warum hast du uns solches angetan? Siehe, mit Schmerzen haben wir, dein Vater und ich, nach dir gesucht.« Und als sie schwieg, 93 verschwand die erste der Erscheinungen. Und eine andre Frau erschien, vor Schmerz und Groll die Wangen tränenüberströmt, 96 und sprach zu ihrem Gatten ungeduldig: »Wenn du der Herr bist über diese Stadt, um deren Namen einst die Götter stritten, 99 aus deren Hoheit alles Wissen strahlt, so strafe doch, Pisistratus, die Keckheit des Arms, der unser Töchterlein umhalste.« 102 Den Herrscher aber sah ich mild und gütig mit Mäßigung im Ausdruck ihr begegnen: »Was tun wir dem dann, der uns Böses wünscht, 105 wenn wir verfolgen, wer uns Liebe zeigt?« Dann sah ich viele zornentflammte Menschen zu Tode einen Jüngling steinigen. 108 Sie schrien heftig: »Foltert, foltert ihn!«

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