Purgatorio – Canto 13

10 Sapía nannten sie mich, doch ich war nicht weise, freute über fremden Schaden 111 mich herzlicher als über eignes Glück. Daß du nicht glaubst, ich wolle dich beschwatzen, so hör, ob ich nicht toll war, wie ich sagte. 114 Schon ging die Kurve meines Lebens abwärts, als unsre Bürger auf dem Feld bei Colle mit ihren Feinden in der Schlacht sich trafen, 117 und ich erbat von Gott, was schon verhängt war. Geschlagen wurden sie, in bittre Flucht gejagt, und als ich diese Hetze sah, 120 erfaßte mich ein Jubel ohnegleichen, und frech erhob ich das Gesicht zu Gott und schrie: ›Jetzt fürchte ich auch dich nicht mehr!‹ 123 So pfiff die Amsel, als der Himmel lachte. Am Ende meines Lebens sucht ich Frieden mit Gott, doch wäre meine Schuld noch nicht 126 durch eigne Buße mir gelindert worden, hätte Pier Pettignano nicht sich mein erbarmt, und hätt er meiner nicht gedacht 129 in seinen gottgefälligen Gebeten. Doch wer bist du, der unsern Zustand hier erforscht und wie mich deucht mit offnen Augen 132 einhergeht und lebendig atmend redet?« »Mir wird«, sagt ich, »das Aug hier auch einmal geschlossen, doch nicht lange, denn nicht oft 135 hat es mit bösem Neid umhergeblickt.

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