Purgatorio – Canto 1

4 Als ich von ihrem Anblick mich getrennt mit halber Wendung nach dem andern Pol, 30 an dem der Große Bär nicht mehr heraufkam, stand einsam neben mir ein alter Mann. Sein würdig Aussehn flößte Ehrfurcht ein, 33 wie sie ein guter Sohn dem Vater schuldet. Er hatte einen langen Bart, gemischt mit Fäden, die so silbern wie sein Haupthaar, 36 das rechts und links ihm auf die Brust herabfloß. Die heilgen Strahlen jener vier Gestirne umsäumten so mit Helligkeit sein Antlitz, 39 daß ich es sah, als ständ es in der Sonne. »Wer seid ihr, so den blinden Bach herauf aus ewiger Gefangenschaft entsprungen?« 42 rief er, daß ihm der würdige Bart erbebte. »Wer hat euch hergeführt, vorangeleuchtet beim Aufstieg aus der tiefen Finsternis, 45 die ewig doch das schwarze Tal bedeckt? So herrscht im Abgrund keine Ordnung mehr, oder im Himmel gar ein neuer Ratschluß, 48 daß ihr, Verdammte, meinen Strand betretet?« Da faßte mich mein Führer, und mit Worten, mit Händen und mit Winken bracht er mir 51 die Haltung und den Blick der Ehrfurcht bei; sprach dann: »Ich komme nicht aus eigner Kraft. Auf Bitten einer hohen Frau vom Himmel 54 geleitete ich diesen hilfreich her.

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