Paradiso – Canto 30

2 Sechstausend Meilen wohl von uns entfernt glüht jetzt der Mittag, und die Erde neigt 3 zur ebnen Fläche fast ihr Schattenbild. Zu unsern Häuptern wird der Himmel mählich so hoch, so fern, daß dies und jenes Sternlein 6 nicht mehr herunterleuchtet bis zu uns. Und wie der Sonne helle Künderin noch näher rückt, verbirgt sich Blick um Blick 9 am Himmel bis zum letzten, schönsten Stern. Ähnlich zerging das Jubelfest, das immer den Punkt umspielt, der mich geblendet hatte, 12 den Allumfassenden scheinbar umtanzend: so nach und nach erlosch es meinen Augen. Die sahn nun nichts mehr, und bezwungen von 15 der Liebe, kehrten sie zu Beatrice. Wenn alles bisher über sie Gesagte vereinigt würde in ein einzig Lob, 18 so wär es doch für dieses Mal zu wenig. Ich sah, wie ihre Schönheit unser Maß weit übertrifft; ich glaube fest, daß nur 21 ihr Schöpfer sie in Wirklichkeit versteht. Hier muß ich, ich gesteh es, unterliegen. So ließ kein niedrer, ließ kein hoher Künstler 24 sich je von seinem Stoffe übertreffen! Wie Sonne auf ein kränkliches Gesicht, so wirkt mir die Erinnrung ihres Lächelns 27 verwirrend auf die Sicherheit des Geistes.

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