Paradiso – Canto 26

8 Und meine Herrin sprach: »Aus diesen Strahlen schaut froh zum Schöpfer auf die erste Seele, 84 die je erschaffen ward aus Schaffens Urkraft.« Wie sich der Zweig mit seinem Gipfel neigt, solang der Wind darüberstreicht, und dann 87 aus eigner Kraft, die wachsen will, sich hebt, so tat auch ich, von ihren Wunderworten ergriffen, bis ich wieder sicher wurde 90 und mich ein heißer Wunsch zum Reden trieb. Und ich begann: »Ur-Vater, einziger, der schon als reife Frucht geschaffen ward, 93 der jeder Braut als Vater gilt und Schwäher, demütig und ergeben flehe ich, o sprich mit mir, du kennst schon meinen Wunsch! 96 Ich schwieg, um desto bälder dich zu hören.« Es regt sich manchmal etwas Lebendes unter der Decke, so daß sein Begehren 99 am Hin und Her der Hülle sichtbar wird: so etwa ließ die erstgeborne Seele durch ihre Strahlenhülle mich erkennen, 102 wie freudig sie mir zu Gefallen war; dann hauchte sie: »Obschon du ihn nicht aussprichst, erkenn ich deinen Wunsch, klarer als du 105 das Sicherste erkennst, das vor dir steht, denn ich erblick's in dem wahrhaftigen Spiegel, der sich zum Widerschein der Dinge macht – 108 und keines faßt von Ihm den Widerschein.

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