Paradiso – Canto 15

6 Du glaubst, daß dein Gedanke weiterstrahlt zu mir aus jenem Urquell, so wie aus 57 der Eins, wenn man sie kennt, die Fünf und Sechs. Drum fragst du mich nicht, wer ich bin, noch auch warum ich so erfreut zu dir erscheine, 60 mehr als die andern meiner frohen Schar. Und du glaubst recht, denn Kleinere und Große des Reiches hier erschauen in dem Spiegel 63 Gedanken dargestellt, eh du sie denkst. Auf daß die Liebe aber, die ich immer wachsamen Augs, die heilige, betrachte 66 und mir ersehne, daß sie sich erfülle: laß deine Stimme klingen! Sicher, froh und mutig klinge sie mir Wunsch und Wille! 69 In meinem Sinne heg ich schon die Antwort.« Zu Beatrice wandt ich mich; sie hört' es bevor ich's aussprach. Lächelnd nickte sie 72 mir Zustimmung und stärkte meinen Vorsatz. Nun fing ich an: »Bei jedem eurer Schar steht Fühlen mit Verstehn im Gleichgewicht, 75 seit euch das ewig Gleiche offenbar ist. Die Sonne, die mit Licht und Wärme euch durchglühet und erhellt, ist in sich selbst 78 so gleich, daß jedes Gleichnis ärmlich wird. Doch bei den Sterblichen sind Wunsch und Einsicht aus einem Grunde, der euch wohl bekannt ist, 81 verschieden angelegt und ausgerüstet.

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