Paradiso – Canto 15

10 Noch war die Herrlichkeit der Stadt am Tiber von eurer Stadt nicht übertroffen. – Aber 111 nur um so tiefer wird für euch der Sturz! – Den edeln Bellincioni sah ich noch mit Ledergürtel und mit Knochenspange; 114 und ohne Schminke kam sein Weib vom Spiegel. Mit rauhem Fell begnügten sich die Großen: so sah ich noch den Nerli und den Vecchio; 117 beim Rocken und bei'r Spindel ihre Frauen. Wohl ihnen! Denn zu Hause blieb ihr Gatte; zog nicht nach Frankreich des Gewinnes halber; 120 und wo die Wiege stand, war auch das Grab. Die Mutter wachte an des Kindes Bettlein und lallend, spielend mit der lieben Sprache 123 der Kinderlein beruhigte sie den Kleinen; oder vom Rocken drehte sie ihr Fädchen und fabulierte mit den jungen Leuten 126 von Troja und von Fiesole und Rom. So selten waren jener Zeit die Schlechten wie heut Cornelia und Cincinnat 129 inmitten der Cianghellas, Saltarellos. So friedlich und so schön und traulich war das Leben in der Bürgerschaft, so lieb 132 die Heimat, die mich aufnahm, da die Mutter, Maria sich empfehlend, mich gebar. In eurer alten Taufkapelle ward ich 135 ein Christ. Und Cacciaguida hieß man mich.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTIyMjQzNA==