Paradiso – Canto 11

8 Wie segensreich dies unbekannte Gut! Egidius und Silvester, beide barfuß 84 auf Franzens Spur, weil seine Armut lockte. So zieht er hin, ein Vater und ein Meister mit seiner Frau, mit seinen Hausgenossen, 87 vom Strick der Demut alle schon gebunden. Daß er als Sohn des Pietro Bernardone so gar verächtlich zum Erstaunen aussah, 90 macht' ihm das Herz nicht zag, den Blick nicht scheu. Nein, wie ein König tat er seinen strengen Vorsatz dem Innocenz zu wissen und 93 erhielt von ihm das erste Ordenssiegel. Als dann die Zahl der armen Brüder wuchs, dem Manne folgsam, dessen Wunderleben 96 am besten man zum Ruhm des Himmels sänge, da wurd' zum zweitenmal der heilge Wille des Ordenshirten anerkannt im Geiste 99 und durch den Papst Honorius gekrönt. Martyrium begehrend, trat er dann zum stolzen Sultan hin und predigte 102 den Heiland; seine Brüder folgten ihm. Doch allzu unreif noch für die Bekehrung erfanden sie das Volk, und nutzlos war's; 105 und gleich zur heimischen Ernte ging's zurück. Auf Felsen zwischen Tiberfluß und Arno erhielt das letzte Siegel er von Christo 108 und trug's zwei Jahre lang an Händ und Füßen.

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