Paradiso – Canto 11

6 Noch nicht gar ferne war dies Licht vom Aufgang, als es dem Land die ersten Tröstungen 57 mit seiner Segenskraft zu spüren gab. Denn schon als Jüngling trotzt' er seinem Vater um eines Weibes willen, das doch jeder 60 als unwillkommen abweist, wie den Tod. Am bischöflichen Hof und vor den Augen des Vaters nahm er sie zum Weib, und nachher 63 wuchs täglich nur noch stärker seine Liebe. Von ihrem ersten Herrn im Tod getrennt, elfhundert Jahr und mehr blieb sie mißachtet, 66 von keinem mehr umworben, bis auf diesen. Umsonst erzählte man ihr, wie sicher sie den Amyclas machte, als die Stimme 69 des allgefürchteten Erobrers dröhnte. Umsonst, daß sie so standhaft todesmutig dem Heiland folgte bis hinauf ans Kreuz, 72 wo selbst Maria unten stehenblieb. – Doch um nicht gar zu dunkel dir zu werden, geb ich als Franz und Armut dir die Liebenden 75 im Umschweif meiner Worte zu verstehn. Der Gatten Eintracht und ihr heitres Glück, ihr sanfter Blick, ihr liebendes Erstaunen, 78 erweckten heilige Gedanken auch in andern, und der fromme Bernhard folgte als erster barfuß. Frieden zu gewinnen, 81 lief er und fürchtete, zu spät zu kommen.

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