6 Noch nie war wohl ein Menschenherze so zur Anbetung und Gottergebenheit 57 mit seinen Dankgefühlen ganz beflissen, wie ich auf diese Worte hin mich gab: und all mein Lieben flutete zu Ihm, 60 und wie vergessen schwand mir Beatrice. Und so gefiel es ihr. Sie lachte gar, daß mir beim frohen Glanze ihrer Augen 63 das gottversunkne Denken sich zerteilte. Und mehrere, sieghaft lebendige Lichter erblickt ich, reigenflechtende, um uns, 66 im Singen gar noch holder als im Blinken. So sehen wir die Tochter der Latona manchmal umgürtet, wenn ein schwerer Dunst 69 den Silberfaden ihr im Kreise spinnt. Der Hof des Himmelreichs, aus dem ich komme, ist voll von Kostbarkeit so hohen Wertes, 72 daß es verboten bleibt, sie wegzutragen. Ein solch Juwel war der Gesang der Lichter. Wem da kein Flügel wächst, hinaufzukommen, 75 der mag die Stummen fragen, wie es klang. Dreimal hatten die sonnenhaften Lichter uns mit so himmlischem Gesange schon 78 umkreist, wie Sterne ihren nahen Pol, und standen still, wie Frauen, die den Reigen nicht lassen und nur lauschend warten, bis 81 sie in die neue Melodie sich finden.
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