Paradiso – Canto 1

10 Nach dieser Ordnung, die ich meine, sind verschiednerweise sämtliche Naturen 111 ihrem Beweger nah und fern geneigt und nach verschiednen Kursen nehmen sie durchs Meer des Daseins jede ihre Fahrt, 114 getragen von dem eingebornen Trieb. Der eine treibt das Feuer nach dem Mond, ein anderer bewegt das Herz, das sterbliche, 117 ein andrer hält und ballt die Erde fest. Und nicht nur unvernünftige Geschöpfe sind durch die Spannkraft dieses Bogens flott, 120 auch die Verstand und Liebe in sich hegen. Die Vorsehung, so vielerlei bestimmend, verleiht die Ruhe ihres Lichts dem Himmel, 123 darin die eiligste der Sphären kreist. Dorthin nun als zum vorbestimmten Ort läßt uns die Schnellkraft jenes Bogens fliegen, 126 der sein Geschoß zum frohen Ziele lenkt. Gewiß, wie in der Kunst gar oft die Form sich mit des Bildners Absicht nicht verträgt, 129 dieweil der taube Stoff nicht recht entspricht, so weicht zuweilen auch von ihrer Bahn die Kreatur; obschon naturgetrieben, 132 besitzt sie Macht, sich anderwärts zu beugen, wofern von falscher Lust ihr erstes Streben zum Irdischen hinabgebogen wird: 135 so sieht man Feuer aus der Wolke fallen. –

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