2 So schritt ich von dem ersten Ring hinab zum zweiten, der im Umkreis enger läuft 3 und desto mehr an Schmerz und Weh enthält. Dort fletscht und knirscht der fürchterliche Minos; er prüft beim Eintritt jede Sündenlast, 6 urteilt und weist den Rang durch Schweifes Ring: denn wenn die arme Seele vor ihn tritt, gesteht sie ihre ganze Missetat, 9 und er, der Kenner aller Sünde, sieht sofort den Höllenrang, der ihr gebührt, schlägt Ringe um sich mit dem Schweif so viele, 12 als er den Sünder drunten haben will. Gar viele stehen wartend immer vor ihm und kommen nacheinander ins Gericht, 15 bekennen, hören, stürzen in den Abgrund. »Der du zum Sammelplatz des Leidens kommst«, rief Minos mir von weitem schon entgegen, 18 in seinem hohen Amt sich unterbrechend, »gib acht! Bedenke, wem du dich vertraust und daß der breite Eingang dich nicht täusche!« 21 Darauf mein Meister: » Warum schreist du so? Versperr ihm nicht den vorbestimmten Weg, beschlossen so ist’s dort, wo Wille Macht ist. 24 Dies muß genügen. Frage drum nicht weiter.« Jetzt fängt es an, daß mir die Schmerzenslaute ganz nahe gehn, hier an der Schwelle, wo 27 die Flut des Tränenjammers mich bestürmt.
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