10 Und ich verstand die schwerverletzten Seelen, neigte das Antlitz und verweilte so, 111 sinnend, bis der Poet mich fragt’: »Was hast du?« Zur Antwort seufzte ich: »Unglückliche! – Und all das süße Träumen, all das Sehnen, 114 das diese zwei ins Elend führen mußte!« Dann wandt’ ich mich zu ihnen, nahm das Wort und sprach: »Arme Francesca, weinen muß ich 117 aus innig Leid und Mitgefühl um dich. Erzähle mir, da ihr noch schmachtet, wodurch und wie hat euch die Liebe da 120 den scheuen Wunsch der Herzen kund gemacht?« Sie sprach: » Im Elend sich vergangnen Glückes erinnern müssen, ist der größte Schmerz. 123 Das weiß so gut wie ich dein Führer dort. Doch weil du mich so traut und herzlich fragst und unsrer Liebe Anfang kennen willst, 126 so muß ich’s denn mit Tränen dir erzählen. Wir lasen eines Tags zur Unterhaltung vom Lancelot und wie er sich verliebte, 129 wir zwei allein und dachten uns nichts Böses. Da mußten manchmal wir vom Buche auf uns in die Augen schauen und erblaßten. 132 Die eine Stelle war’s, die uns besiegte. Dort, wo wir lasen, wie der Held der Liebe das holde Lachen ihr vom Munde küßte. 135 Da küßte Er, der ewig mir gehört,
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