Inferno – Canto 31

2 Die mir die Wunde schlug, daß beide Wangen vor Scham sich röteten, dieselbe Zunge 3 bot auch den Trost der Arzenei mir dar. So sagt man, daß die Lanze des Achill und seines Vaters Peleus beides brachte: 6 Verletzung erst, und dann Wohltat der Heilung. Wir hatten nun das kranke Tal im Rücken und gingen auf den Damm, der es umgürtet, 9 hinüber, quer, und redeten kein Wort. Da war es nicht ganz Nacht und nicht ganz Tag, so daß das Aug nur wenig vorwärts drang. 12 Doch hörte ich gar laut ein Horn erschallen, das jeden Donner übertönen konnte. Dem Schall entgegen zielten meine Blicke 15 zurück die Bahn zu seinem Ausgangspunkt. Nach jener schweren Niederlage, wo der Große Karl die heiligen Kämpen ließ, 18 dröhnte der Hornruf Rolands nicht so schrecklich. Kaum hatte ich den Kopf dorthin gewendet, als viele hohe Türme mir erschienen 21 und ich den Meister frug: »Wie heißt die Stadt?« Und er entgegnete mir: »Allzuweit willst du voraus durch dunkle Räume eilen, 24 und so verirrt sich deine Phantasie. Wenn du dir’s dort besiehst, wirst du verstehn, wie leicht der Sinn sich auf die Ferne täuscht; 27 drum spute dich, um selbst dorthin zu kommen.«

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