Inferno – Canto 29

6 den Grund erkennen, wo die Dienerin des hohen Herrn, Justitia, unfehlbar 57 die Fälscher straft, die sie bei uns verzeichnet. Es kann nicht trostloser gewesen sein auf Aegina, da alles Volk erkrankte 60 und so mit Pest die Luft vergiftet war, daß selbst die Tiere bis zum kleinsten Wurm hinsanken allzumal – worauf das alte 63 Geschlecht der Menschen, wie die Dichter meinen, aus Emsen-Samen sich erneuerte – wie hier im dunkeln Tal das Elend aussah 66 von siechen Geistern, die in Haufen lagen, der eine auf dem Bauch des andern oder an fremde Schultern angelehnt, und kriechend 69 verzog sich mancher durch die kranke Gasse. Wir gingen Schritt vor Schritt ohne Gespräch und schauten nur und lauschten auf die Kranken, 72 die keine Kraft sich zu erheben hatten. Zwei sah ich sitzend aneinanderlehnen, wie überm Feuer Pfann an Pfann gestützt, 75 von Kopf zu Fuß befleckt mit Schorf und Ausschlag. Noch nie konnt ich so eifrig striegeln sehn. Weder ein Stallknecht, wenn die Herrschaft wartet, 78 noch einer, wenn es Zeit zum Schlafen ist, rieb je so flink, wie diese beiden kratzten am eignen Leib mit ihren scharfen Nägeln 81 vor lauter Wut, den Kitzel loszuwerden.

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