Inferno – Canto 1

2 Dem Höhepunkt des Lebens war ich nahe, da mich ein dunkler Wald umfing und ich, 3 verirrt, den rechten Weg nicht wieder fand. Wie war der Wald so dicht und dornig, o weh, daß ich es nicht erzählen mag 6 und die Erinnerung daran mich schreckt. Viel bitterer kann selbst der Tod nicht sein. Doch um das Gute, wie es dort mir wurde, 9 zu zeigen, kommt das andre auch zum Wort. – Ich weiß nicht recht, wie ich hinein geriet, war nach und nach so schläferig geworden, 12 bis daß ich abkam weit vom rechten Weg. Als ich dann aber vor dem Hügel stand, allwo die Schlucht im Wald sich endlich auftat, 15 die mir das angstbeklommne Herz bedrängte, blickt ich empor und sah die Kurven schon des Bergs umhüllt vom strahlenden Gestirn, 18 das jedem seine Wanderpfade sichert. Und jetzt entspannte sich die Angst ein wenig, die mir so jammervoll die ganze Nacht 21 im Innersten des Herzens sich verkrampfte. Wie einer, der nach Atem keuchend ringt, sich aus dem Meer ans Ufer hat gerettet, 24 zurückschaut auf das fürchterliche Wasser, so wandte sich, noch immer weiter fliehend, mein Sinn, die Schlucht noch einmal zu bestaunen, 27 die keinen mit dem Leben je entließ.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTIyMjQzNA==